"Ich war vom Frauenfußball sofort begeistert"

07.08.2015

Interview4
Vor rund einem halben Jahr übernahm Dragan Kunic das Traineramt bei den Carinthinas Soccer Women. Der gebürtige Bosnier, war vom Frauenfußball sofort angetan und führte das Team über die Relegation zurück in die ÖFB Frauen Bundesliga. Jetzt wartet auf den Klub ein schweres Jahr, wie Kunic im fanreport.com-Interview erklärt.
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 Vor mehr als einem Jahr, am 1. Juni 2014, bejubelten die Carinthians Soccer Women letztmals einen Sieg in der höchsten österreichischen Spielklasse (2:1 über Sturm, Anm.). Geholfen hat es nichts mehr, mussten die Kärntnerinnen doch kurze Zeit später den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

Dass die Carinthians am kommenden Samstag (8.8.) ausgerechnet beim Auswärtsspiel bei Sturm Graz auf die Bundesliga-Bühne zurückkehren, ist Schicksal. Den Aufstieg selbst, den hatte sich das Team unter Federführung von Trainer Dragan Kunic als Zweiter der 2. Liga Ost/Süd (hinter Neulengbach II, Anm.) allerdings hart erarbeitet.

Kunic. Nicht Copperfield

Der gebürtige Bosnier, der seit vielen Jahrzehnten in Kärnten, lebt - und vor allem den Fußball lebt - übernahm die Violetten vor etwa einem halben Jahr und führte die Elf über die harte Relegation gegen Bergheim zurück ins Oberhaus. Im fanreport.com-Interview spricht Kunic über eine angenehme Überraschung, den schweren Stand eines Fußball-Klubs in Kärnten und warum er nicht David Copperfield ist.

fanreport.com: Dragan, bevor wir über die Carinthians sprechen: Wie bist du zum Frauenfußball gekommen?
Dragan Kunic: In all den Jahren als Spieler, Spielertrainer und Trainer, unter anderem in Wernberg, beim VSV, Landskron und Hermagor, hatte ich
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Die Carinthinas jubeln nach einem Jahr Pause wieder in der Bundesliga
mit dem Frauenfußball noch überhaupt gar nichts zu tun. Das hat sich erst vor einem halben Jahr geändert, als Herr Skornschek (Ex-Sektionsleiter, Anm.) und Herr Baumgartner (Obmann, Anm.) an mich herangetreten sind.

fanreport.com: Warum hast du zugesagt?
Kunic: Natürlich auch, um etwas Neues auszuprobieren. Ich wollte mich einer neuen Herausforderung stellen.

fanreport.com: Was hast du nach deinem ersten Training gedacht?
Kunic: Ich war begeistert vom Frauenfußball - und zwar in allen Belangen! Sowohl im technischen und taktischen Bereich, als auch was die Einstellung betrifft. Die Mädchen haben einen super Willen an den Tag gelegt.

fanreport.com: Wie hast du die restliche Saison in der 2. Liga erlebt?
Kunic: Weil wir so eine super Saison gespielt haben, war relativ früh klar, dass wir in der Relegation vertreten sein werden und dort um den Aufstieg spielen dürfen. Demnach konnte ich meine Mannschaft schon sehr früh gezielt auf diese Aufgabe vorbereiten. Bei all der guten Leistung war aber auch Glück dabei, denn wir hatten einen sehr kleinen Kader, der aber nie durch Verletzungen geschwächt war.

fanreport.com: In der Relegation wartete mit Bergheim ein starker Gegner. Das Ergebnis war entsprechend knapp. Nach 0:0 und 2:2 stieg man nur aufgrund der Auswärtstorregel auf.
Kunic: Ich bin nun schon sehr lange Trainer. Es war das erste Mal in meiner Karriere, dass mir der Gegner danach Leid getan hat. Bergheim ist ein typischer Frauenfußball-Verein und hätte den Aufstieg mindestens genauso verdient gehabt wie wir.

fanreport.com: Die Carinthians sind - gemessen an der Spielklasse - Kärntens bester Frauenfußball-Verein. Nach Abgängen wie zum Beispiel Naschenweng, Malle, Schranzer, Erzen oder Mori ist der Kader aber weiter geschrumpft. Dabei müsste es das Ziel jeder Fußballerin sein, in der Bundesliga zu spielen. Wie ist das zu erklären?
Kunic: Das kann ich leider auch nicht erklären. Um ehrlich zu sein, bin ich sehr enttäuscht über die Zustände im Kärntner Frauenfußball. Ich dachte, es sei eine gute Lösung, mit der Mannschaft nach Villach umzuziehen, weil es ziemlich genau in der Mitte des Bundeslandes liegt. Aber es scheint, als koche jeder Verein sein eigenes Süppchen und viele Trainer wollen ihre talentierten Spielerinnen nicht hergeben.

fanreport.com: Es steht euch also ein schweres Jahr bevor?
Kunic: Seit meinem Amtsantritt habe ich immer wieder betont, dass ich gar keine Angst habe, mit der Mannschaft, so wie sie in der Vorsaison
Ich bin Trainer und nicht David Copperfield
Kein Hokus Pokus
zusammengestellt war, in der Bundesliga zu spielen. Wahrscheinlich hätten wir nicht einmal gegen den Abstieg gespielt. Nach den Abgängen ist die Mannschaft deutlich jünger und unerfahrener geworden, was es nicht leichter macht.

fanreport.com: Angst hast du aber dennoch nicht, oder?
Kunic: Natürlich nicht. Ich sage immer: Das wichtigste ist die Trainingsbeteiligung. Wenn die Spielerinnen weiterhin zum Training kommen, dann erarbeiten wir eine Grundlage, die uns den Abstiegskampf bestehen lässt. Und wir haben glaube ich einen großen Vorteil...

fanreport.com: Nämlich?
Kunic: Im Gegensatz zu allen anderen Klubs, wissen wir von Anfang an, dass wir im Abstiegskampf stehen. Die Spielerinnen und ich haben den Kampf bereits jetzt an- und aufgenommen. Aber es geht nur über gemeinsame, harte Arbeit. Ich bin schließlich Trainer und nicht David Copperfield.

fanreport.com: Hat deine Mannschaft das Zeug, in der Bundesliga zu bestehen?
Kunic: Am Talent der Mannschaft habe ich überhaupt keine Zweifel. Es ist viel Potenzial auf lange Sicht, für die nächsten Jahre, vorhanden. Aber dieses erste Jahr wird schwer, das muss uns bewusst sein.

fanreport.com: Zu verlieren habt ihr jedenfalls nichts.
Kunic: Wir werden positiv denken, kämpfen und schauen schauen, was am Ende dabei rauskommt.

fanreport.com: Vielen Dank für das Interview. Auf eine erfolgreiche Saison.
Kevin Bell
Kevin Bell - Redakteur
kevin.bell@fanreport.at

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