Wallner: „Im Nachhinein kann man leicht reden“

24.04.2019

Roman Wallner 2 Fotocredit: Red Bull GEPA
Ex-Teamspieler Roman Wallner spricht im zweiten Teil unseres Interviews über seine Karriere-Highlights, den Hans-Krankl-Sager und seinen Status als Kult-Kicker.
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fanreport.com: Du warst in deiner Karriere für insgesamt 14 Vereine aktiv. Gab es nie das Bedürfnis, langfristig bei einem Verein zu bleiben?

Wallner: Ich denke, dass es für jeden Spieler angenehm ist, länger bei einem Verein zu bleiben, bei dem man Wertschätzung spürt. Bei mir war es so, dass es häufig sportlich nicht so gut gelaufen ist und ich nicht so oft zum Zug gekommen bin, wie es mir gewünscht hätte. Ich habe gewusst, dass man schnell in der Versenkung verschwindet, wenn man nicht spielt. Du musst dann eine Entscheidung treffen: Zahlt es sich aus abzuwarten oder probiert man etwas Neues?

fanreport.com: Gibt es etwas, das du an deiner Karriere bereut hast?

Wallner: Es war natürlich der eine oder andere unglückliche Transfer dabei. Auf der anderen Seite habe ich mich durch schwere Zeiten sportlich und menschlich weiterentwickelt. Die Gegenfrage, ist natürlich, wie man sich entwickelt hätte, wenn es immer nur gut gelaufen wäre. Wichtig ist, dass man aus Dingen lernt. Im Nachhinein betrachtet kann man natürlich leicht reden.

fanreport.com: Du bist insgesamt 29-mal für das österreichische Nationalteam aufgelaufen. Vor allem der Spruch des einstigen ÖFB-Teamchefs Hans Krankl über dich und Roland Linz bleibt in Erinnerung. Krankl sagte einst: "Um diesen Sturm wird uns noch ganz Europa beneiden". Wie hast du diese Aussage aufgenommen?

Wallner: Ich hab damals schon den Spruch mitgekommen, das Ganze aber nicht so wahrgenommen. Später hat es sich dann so entwickelt, dass man den Spruch immer mit mir und Roland Linz in Verbindung gebracht hat.

Jeder, der Hans Krankl kennt, weiß, dass er ein emotionaler Mensch ist. In dieser Situation hat er es gut gemeint. Wenn ein Trainer wie er, der selbst ein Weltklasse-Spieler war, so etwas über dich sagt, ist das schon eine Ehre. Dadurch, dass sich der Spruch nicht bewahrheitet hat, gibt es da und dort über den Spruch sicher auch eine gewisse Schadenfreude.

fanreport.com: Das aktuelle Nationalteam könnte einen jungen Roman Wallner in Form gebrauchen macht es den Eindruck.

Wallner: So viele Legionäre, wie wir jetzt haben, hatten wir noch nie. Dadurch entwickeln sich die Spieler oft schneller, weil sie durch bessere Mitspieler lernen. Ich glaube schon, dass wir einige gute Stürmer, wie Guido Burgstaller oder Michael Gregoritsch, haben. Aber im Nationalteam ist es schwierig in so wenigen Trainingseinheiten ein Gefühl füreinander zu entwickeln. Als Angreifer braucht man daher schon einen Instinkt, um dann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu stehen.

fanreport.com: Würdest du jungen Spielern zu einem Wechsel ins Ausland raten oder ist es klüger, sich zunächst in Österreich durchzusetzen? Was hast du aus deinen Auslandsstationen in Schottland, Griechenland und Deutschland für dich mitgenommen?

Wallner: Wenn man schon im Profifußball Fuß gefasst hat, sollte man aus meiner Sicht der Schritt ins Ausland auf alle Fälle zu wagen. Man kommt in der Regel in eine stärkere Liga mit besseren Mitspielern, lernt ein anderes Land kennen, in dem man sich anpassen muss. Man lernt viel Neues kennen, muss vielleicht eine neue Sprache lernen, was der persönlichen Entwicklung zugutekommt.

fanreport.com: Du hast zuletzt auch mit der jungen Spielergeneration zu tun, der oft ein übertriebenes Selbstbewusstsein bescheinigt wird. Kannst du das bestätigen oder wird hier übertrieben?

Wallner: Ein bisschen Wahrheit steckt schon dahinter, vieles wird aber auch übertrieben. Als ich als junger Spieler bei Sturm mittrainieren durfte, war sicherlich ein gewisses Maß an Ehrfurcht gegeben. Heutzutage kommen junge Spieler oft daher, als hätten sie die Champions League gewonnen. Ich weiß nicht, woher dieses Selbstvertrauen kommt. Aber meine Generation hatte wahrscheinlich auch ihre Eigenheiten.

Ein Trainer hat heutzutage schon einen ganz anderen Zugang zu den Spielern, geht mehr auf sie ein, ist sensibler. Die Spieler hinterfragen und wissen mehr, also erklärt der Trainer auch mehr. Ein gewisser Respekt darf aber dennoch nicht fehlen.

fanreport.com: Gab es ein absolutes Karrierehighlight?

Wallner: Da tu ich mir echt schwer. Vom Umfeld her war das Champions-League-Debüt bei Sturm natürlich toll, im Spiel ist mir aber nicht viel gelungen. Der Meistertitel, den wir mit Salzburg im letzten Match fixiert haben, bleibt natürlich in Erinnerung. Oder als wir mit Wacker Innsbruck im letzten Spiel den Klassenerhalt fixiert haben. Da waren wir schon 0:2 hinten, waren quasi schon abgestiegen und haben in der zweiten Halbzeit das Spiel noch mit 3:2 gewonnen. Gleichzeitig hat die Admira gegen Mattersburg gewonnen. So sind wir in der Bundesliga geblieben. Von der Dramatik her war das ein super Erlebnis.

fanreport.com: Dein Karriereende hat ein großes Echo nach sich gezogen. Freust du dich über so viel Aufmerksamkeit und wie erklärst du dir deinen Kult-Status?

Wallner: Natürlich freut mich das. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht weil ich bei vielen Vereinen war. Vielleicht weil ich im Fußball ganz unten war und es wieder nach oben geschafft habe. Mich freut und ehrt es, dass die Aufmerksamkeit so groß war, wie ich mein Karriereende verkündet habe. Großteils war das erhaltende Feedback positiv.

fanreport.com: Vielen Dank für das Gespräch.

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Johannes Posani
Johannes Posani - Administrator
johannes.posani@fanreport.at

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