"Ich würde es wieder so machen"

22.02.2014

pangl
Georg Pangl, Ex-Vorstand der österreichischen Bundesliga wirft im Gespräch mit Fanreport einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Bundesliga und lässt seine Zeit dort Revue passieren.
11teamsports AktionWenn Georg Pangl über die österreichische Bundesliga und den europäischen Profifußball spricht, kann es durchaus einmal länger werden. Warum? Der Ex-Vorstand der 2 höchsten österreichischen Spielklassen hat jede Menge Spannendes zu erzählen! Wirft man einen Blick auf den Lebenslauf Pangls, erklären sich da auch alle Fragen nach dem Grund dafür. 1996 Turnierdirektor bei der U-16 EM im eigenen Land, daraufhin Venue Director für die UEFA Champions League und die EURO 2000 sowie 2004 und als Sahnehäubchen Event Manager für die Champions League von 2002-2004. Doch warum wechselt man von der Königsklasse in die Bundesliga? Im Fanreport-Gespräch erläutert uns Pangl Schritt für Schritt seine interessanten Entscheidungen.

"Du bist unsa Mann, wia brauchn Dich!" 

 
Mit einer fast schon Ö3-Callboy würdigen Frank Stronach Imitation erklärt Georg Pangl die Anfänge seiner Zeit bei der österreichischen Fussball-Budesliga.
 
Pangl: "Ich saß damals im UEFA-Büro in Nyon in der Schweiz und bekam einen Anruf vom damaligen Vize-Präsidenten der Bundesliga, Martin Pucher: "Der Frank Stronach will dich kennenlernen! Komm am Samstag nach Oberwaltersdorf". Ich stand kurz vor einer Hochzeit, hatte noch einen Anzug zu kaufen und sagte im ersten Moment aufgrund des Zeitmangels ab und sinngemäß, dass den Herr Stronach sicherlich auch viele andere Personen kennenzulernen wollen. Doch Pucher ließ nicht locker und überredete mich zu kommen. Als ich dann dort saß und der Frank kam fackelte er nicht lange. "Du bist unsa Mann, wia brauchn Dich! Werd Bundesliga Vorstand!" Nach kurzer Bedenkzeit und Rücksprache mit meiner zukünftigen Gattin, hatte ich mich dann auch dazu entschlossen das Amt anzunehmen."

Fanreport: "Warum wechselt man vom Eventmanagement der Champions League in die österreichische Bundesliga?"

Pangl: "Diese Frage musste ich schon oft beantworten. Ehrlich gesagt war es bei der UEFA ein einzigartiger Job, aber ich sah  einfach keinen nachhaltigen Anreiz, über Jahre hindurch mit der in allen Bereichen extrem aufwändigen Organisation eines Endspieles beschäftigt zu sein. Jedes Jahr wurde das Finale bzw. der Hospitality-Bereich noch größer, die Aufgaben noch brisanter. Aber im Endeffekt blieb alles beim selben und nach Ende des Finales wurden mit dem VIP-Zelt eineinhalb Jahre Arbeit einfach „abgerissen“ und der Focus lag bereits am Endspiel des Folgejahres. Man ist viel unterwegs, fast nie zuhause, am Vormittag in Valencia bei einem Meeting, am Nachmittag vielleicht in Manchester um mit dem United-Präsidenten zu essen, tags darauf in Monaco bei der Vorbereitung des Supercups etc. Alles musste bis ins kleinste Detail passen. Bog der Busfahrer bei einem Finale mal falsch ab, hieß es schon der Event wäre schlecht organisiert. Da ging für mich der Blick auf den Fußball verloren und gleichzeitig erschien mir die Herausforderung in der Bundesliga etwas aufzubauen und dazu meine Kinder in Österreich groß zu ziehen auf Dauer dann doch interessanter. Im Grunde genommen ging es mir nie um die große weite Fußballwelt - und ich habe die Entscheidung nicht einen Tag bereut.

"Im Gang standen Schachteln und alte PC's"
Mir waren die Flügel angebunden.
Georg Pangl über seine Zeit als Bundesliga-Vorstand


Fanreport:
"Wie waren die Anfänge als Bundesliga-Vorstand? Was galt es zu ändern?

Pangl: "An meinem ersten Arbeitstag traf mich fast der Schlag. Ich kam ins Büro und überall standen Schachteln, Ordner und alte PC's in den Gängen. Als erster Akt wurde übers Wochenende ein Container angefordert und ausgemistet. Erst danach konnte man im Büro halbwegs arbeiten." 

Fanreport: "Halbwegs?"

Pangl: "Vor dem ersten Monatsletzten kam der Finanzvorstand auf mich zu und fragte mich was er tun solle. Es war kein Geld da um die Löhne zu überweisen. Da wusste ich endgültig, dass es jede Menge zu tun gab! Mit Unterstützung der Klubs und Martin Pucher wurden die dringendsten Finanzprobleme behoben. In weiterer Folge wurde mir die Möglichkeit gegeben ein eigenes Team zusammenzustellen und damit relativ selbständig zu arbeiten - das habe ich dann auch mit großer Freude gemacht. ."

Fanreport: "In fast 10 Jahren haben Sie vieles umgekrempelt, was bleibt in der Bundesliga für die Ära Post-Pangl?"

Pangl: "Mittlerweile arbeitet dort ein gut eingespieltes Team in einer guten Organisation. Es wurde auch die Arbeit mit den Klubs und in den Gremien sehr professionell entwickelt und ich meine, dass im Vergleich zu früher viel mehr Ruhe in der Liga herrscht. Finanziell haben wir in der Geschäftsstelle ordentlich gearbeitet, 9 Jahre hindurch positiv abgeschlossen und für die Klubs gute Geschäfte gemacht, auch wenn es nicht immer einfach war zB im TV-Bereich die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen. Alles in allem kann mein Nachfolger auf kompetenten Mitarbeiter, einer guten Struktur und einer entsprechenden finanziellen Absicherung aufbauen. .

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Georg Pangl war von 2004-2014 Bundesliga-Vorstand.
"Mir waren die Flügel angebunden"

 Fanreport: "Am 15. Jänner 2014 folgte die einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses mit der Bundesliga. Wie kam es dazu?"

Pangl: "Es gab einfach zu viele Auffassungsunterschiede. Ich wollte mich nicht zu sehr beeinflussen lassen und weiter  einen geraden, auch innovativen Weg für die Entwicklung des Profifußballs und seiner Klubs in Österreich gehen. Nach 10 Jahren blickt man zurück und fragt sich: "Was wurde im Zuge der Entwicklung  erreicht?" Auch wenn man sagen kann, dass recht erfolgreich gearbeitet worden ist, kam ich zur Erkenntnis, dass es für mich zu wenig war, also suchte ich das Gespräch mit dem Präsidenten.

Fanreport: "In welchen Bereichen ging Ihnen zu wenig weiter?"

Pangl: "Man kann niemandem einen Vorwurf machen, da die Bundesliga als Dachorganisation 20 Vereine und damit die vielschichtigen Interessen von Red Bull Salzburg bis bspw. Lopocasport Hartberg zu vertreten hat. Die Führung eines Klubs verdient Respekt und ist in Österreich eine Herausforderung an sich. Hinzu kommt der Nachholbedarf bei der Infrastruktur  für die meisten Klubs und  wenn in Bezug auf das Thema Rasenheizung nicht einmal der einhellige Zugang der Sinnhaftigkeit in der Bundesliga gegeben ist, bedeutet das für mich im Profifußball einfach Stillstand, der sich bei 20 verschiedenartig strukturierten Vereinen nicht beheben lässt. Da waren mir die Flügel angebunden, teils durch das System, teils durch Zugänge und Sichtweisen. An dieser Stelle passt für mich der treffende Satz, dass die Liga so stark ist, wie der Zusammenhalt ihrer Klubs ."

"Ich würde es wieder so machen"

Fanreport: "Sie gerieten in der Wettaffäre rund um Dominique Taboga und Sanel Kuljic in Beschuss. Trug das zu Ihrer Entscheidung bei?"

Pangl: "In keinster Weise. Ich habe mich in dieser Causa bei medialem Trommelfeuer stets vor die Vereine gestellt und stehe dazu. Mir wurde vorgeworfen ich verharmlose die ganze Geschichte, doch solange keine Fakten am Tisch liegen, kann der Senat der Bundesliga keine Verfahren führen oder Sanktionen aussprechen.. Ohne Beweise kann es keine vorschnellen Sanktionen geben! Die Behörden haben ihrerseits fleißig gearbeitet, konnten aber zum damaligen Zeitpunkt keine erwiesenen Fakten auf den Tisch legen um aktiv zu werden - daher wurde auch nicht gehandelt. Ich würde es heute wieder so machen."

Fanreport: "Wie steht Georg Pangl zur 10er Liga?"

Pangl: "Das Ligaformat ist ein Thema, an dem sich die Meinungen scheiden und vielleicht sogar mehrere Sichtweisen richtig sein mögen. Wenn Herr Rangnick  nach Veränderung bzw. nach einer 16-er Liga ruft, hat er womöglich zum Teil Recht, allerdings hat ein Herbert Prohaska genauso Recht, wenn er behauptet, dass bei 16 Teams das sportliche Niveau nicht mehr gehalten werden kann. Ich persönlich meine, dass es einer offenen und nachhaltigen Diskussion bedarf, welche Ligenstruktur bis in die dritte Leistungsstufe und vor allem unter Einbeziehung der Amateurteams und Akademien für Österreich am besten ist. Kurzfristig denke ich wie unser Jahrhundertfußballer, dass es besser ist wenn die 10 besten Klubs 4x gegeneinander  spielen, als 2x gegen Teams von augenscheinlich schwächerem Niveau, wo wie in den 1980er Jahren möglicherweise Schießbudenergebnisse von 8:1 zu erwarten sind und die Spieler nicht jede Woche entsprechend gefordert sind. Wie soll man dann in der Champions League bestehen? Außerdem wird‘s dann mit den TV-Quoten schwierig. Wer schaut dann schon das Spiel 10. gegen 13.?"

Das Gespräch führte Dominik Jenewein
 
 
Dominik Jenewein
Dominik Jenewein - Chefredakteur
dominik.jenewein@fanreport.at

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