„Am Platz bekommst du die Stimmung besser mit“

08.05.2018

Andreas Scherer 4 Fotocredit: Johannes Posani
23 Jahre jung, Spieler des UFC Eben – und gleichzeitig Coach. Andreas Scherer zählt zu den jüngsten Spielertrainern im Unterhaus. Im Interview mit fanreport.com gewährt Scherer exklusive Einblicke in seine Doppelfunktion.
11teamsportsEs ist ein strahlend-sonniger Frühlingstag, Treffpunkt Hangar-7 in der Stadt Salzburg. UFC Eben-Spielertrainer Andreas Scherer erwartet uns pünktlich am vereinbarten Ort und nimmt sich anschließend über eine Stunde Zeit für ein Exklusiv-Interview in lockerer Atmosphäre.

fanreport.com: Andreas, du bist erst 23 Jahre alt, aber bereits Spielertrainer beim UFC Eben in der 2. Landesliga Süd in Salzburg. Bist du der Julian Nagelsmann des Österreichischen Fußball-Unterhauses?

Scherer: Darauf wurde ich schon einige Male angesprochen. Ich denke, man kann uns aber nicht vergleichen, denn soweit ich weiß, hatte Julian Nagelsmann in meinem Alter – im Gegensatz zu mir – überhaupt noch keine Erfahrung als Trainer im Erwachsenenfußball. Spaß bei Seite: Mir ist bewusst, dass ich wahrscheinlich zu den jüngsten Kampfmannschafts-Trainern in Österreich gehöre. Das spielt für mich aber keine große Rolle. Zudem würde ich es als sehr abgehoben finden, mich in einem Satz mit Julian Nagelsmann zu nennen. Aber mir gefällt der Weg, dass – auch im Profigeschäft – jüngere Trainer eine Chance bekommen und wie man am Beispiel „Nagelsmann“ sieht, kann dies sehr gut funktionieren.

fanreport.com: Ist es eigenartig für dich, Kollegen zu trainieren, die älter sind als du, wie beispielsweise dein Bruder Stefan?

Scherer: Mittlerweile ist das ganz normal für mich. Ob ein Spieler, den du trainierst, 17 oder 35 Jahre alt ist, ist egal. Wichtig ist, dass du authentisch bleibst. Du kannst dich nicht mit 23 Jahren hinstellen und sagen: Ich weiß alles über Fußball und so wie ich es sage, ist es richtig. Für mich spielt das Alter keine entscheidende Rolle. Am Anfang hatte ich schon Bedenken. Du trainierst immerhin Spieler, die elf, zwölf Jahre älter sind als du. Aber von Anfang an sind die Spieler, vor allem auch die routinierten, hinter mir gestanden und ich glaube das war auch sehr wichtig.

fanreport.com: Es ist eher selten, dass ein Verein einen 23-Jährigen zum Spielertrainer macht. Wie bist du dazu gekommen?

Scherer: Ich war zwei Jahre als Spieler in Eben und war dort Führungsspieler, obwohl ich mit 20, 21 Jahren noch sehr jung war. Danach bin ich zu Schwarzach in die 1. Landesliga gewechselt. Im Winter vor eineinhalb Jahren habe ich dann die überraschende Anfrage aus Eben bekommen. Ich habe mir zunächst gedacht, dass sie mich als Spieler gerne zurückhätten, im Gespräch hat sich dann aber herausgestellt, dass sie mich gerne als Spieler und Trainer holen würden. Eben war mitten im Abstiegskampf und hatte nach 15 Spielen nur 12 Punkte. Du startest dann gleich mit einer Drucksituation, obwohl du noch keine Erfahrung im Kampfmannschaftsbereich als Trainer hast. Ich habe es mir dann überlegt und habe mich dann für das Angebot von Eben entschieden. Es war definitiv die richtige Entscheidung, die ich im Nachhinein keine Sekunde lang bereut habe.

Andreas Scherer 1
Gut drauf: Andreas Scherer beim Interview-Termin vor dem Hangar-7.
Fotocredit: Johannes Posani

fanreport.com: Du hast bereits angesprochen, dass man als Trainer authentisch bleiben muss. Welche Eigenschaften muss man als Trainer noch mitbringen?

Scherer: Ich glaube, man muss mit vielen verschiedenen Charakteren umgehen können. Nicht jeder Spieler ist gleich und der größte Fehler, den man machen kann, ist jeden Spieler gleich zu behandeln. Du hast sensiblere Spieler, aber du hast auch Spieler, die es brauchen, dass du ein bisschen Gas gibst. Um das Beste aus jeden Spieler rauszuholen, musst du mit jedem richtig umgehen können. Was mir als Trainer jetzt hilft, ist, dass ich nicht gleich als Trainer einer Kampfmannschaft eingestiegen bin, sondern vorher jede Altersstufe trainiert habe. Ich habe von der U-7 bis zur U-16 alle Nachwuchsmannschaften trainiert. Das hat mir sehr geholfen. Eben hat das auch gewusst. Dadurch sind sie auf mich gekommen.

fanreport.com: Wie sieht das Training aus? Erklärt der Trainer Scherer vorher die Übungen und der Spieler Scherer macht diese dann mit?

Scherer: Ich mache nicht hundert Prozent der Übungen mit. Wenn es einmal eine komplexere Übung ist, nehme ich mich auch einmal heraus am Anfang und schaue, dass ich diese mehr von außen coache. Wenn ich sehe, dass die Übung gut funktioniert, mache ich dann auch mit. Aber es kommt schon vor, dass ich eine komplette Trainingseinheit einmal coache und mich nicht als Spieler beteilige. Es gibt auch wieder andere Trainings, wo ich alle Übungen komplett mitmache.

fanreport.com: Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann hat einmal gesagt, dass er Trainingsformen kaum zweimal auf dieselbe Art machen lässt. Wie findest du diesen Ansatz?

Scherer: Ich glaube, für einen Spieler gibt es nicht Schlimmeres, als bereits vor dem Training zu wissen, welche fünf Übungen wieder auf dem Programm stehen werden. Da leiden Konzentration und der Reiz am Training sehr darunter. Natürlich gibt es schon Übungen, die wiederholt werden. Das kann zum Beispiel sein, wenn die Übung beim letzten Mal nicht so gut funktioniert hat. Wichtig ist, dass du Übungen nicht immer eins zu eins wiederholst. Du kannst als Trainer kleine Details verändern, damit sich die Spieler konzentrieren müssen.

fanreport.com: Wer nimmt unter dem Spiel Auswechslungen vor, wenn du spielst? Ist das abgesprochen?

Scherer: Wir gehen im Trainerteam vor dem Spiel grob durch, was geplant ist. Leider weiß man im Vorhinein nie genau, wie das Spiel läuft. Die Entscheidungen während des Spiels treffe trotzdem ich, auch am Spielfeld. Ich kommuniziere unter dem Spiel während einer Unterbrechung kurz mit dem Trainerteam und gebe Anweisungen für Wechsel oder Systemumstellungen.

fanreport.com: Empfindest du es eher als Vorteil oder als Nachteil, dass du als Spielertrainer selbst auf dem Feld stehst?

Scherer: Ich finde, es gibt Vor- und Nachteile. Gewisse Sachen im Spiel siehst du von außen besser, andere nimmst du wiederum im Spiel besser wahr. Ich spiele aktuell Innenverteidiger. Von dort hast du einen sehr guten Überblick, wie die taktischen Dinge eingehalten werden. Außerdem bekommst du die Stimmung am Platz besser mit. Wie ist ein Spieler drauf? Das bekommst du besser mit, wenn du neben ihm stehst.


>>> JETZT WEITERLESEN: IN TEIL 2 SPRICHT SCHERER ÜBER SEINE DOPPELFUNKTION UND OB ER SICH IMMER SELBST AUFSTELLT <<<

Johannes Posani
Johannes Posani - Chefredakteur
johannes.posani@fanreport.at

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