„Die Vergangenheit ist im Fußball nichts wert“

26.06.2018

Dominik Glawogger 2 Fotocredit: Foto by Hofer / Christian Hofer
Dominik Glawogger spricht über seine Aufgabe in Kiel und den Abgang beim FAC.
11teamsports
Als jüngster Trainer im österreichischen Profibereich hielt Dominik Glawogger mit dem FAC in der Saison 2016/17 sensationell die Klasse. Nun zieht es den 28-Jährigen nach Deutschland, wo er die U19 des Zweitligisten Holstein Kiel betreuen wird. Im Interview spricht der Jungcoach über seine neue Aufgabe in Deutschland, seine Zeit in Afrika und seinen Abgang beim FAC.

fanreport.com:
Dominik, du bist neuer Coach der U19 von Holstein Kiel. Wie ist es dazu gekommen?

Glawogger: Es hat in den vergangenen Wochen einige sehr gute Gespräche mit dem Verein gegeben. Die Vereinsverantwortlichen haben mich durch ihre moderne Denk- und Arbeitsweise sowie ihre ambitionierten Ziele im Nachwuchsbereich überzeugt. Ich war auch einige Tage persönlich in Kiel und schlussendlich sind wir uns relativ rasch einig geworden.

fanreport.com: Du bist 28 Jahre und damit für einen Trainer sehr jung. Wie bist du in den Trainerjob gerutscht?

Glawogger: Auch viele schwere Verletzungen in meiner Zeit als Spieler konnten meine Leidenschaft für den Fußball und das Streben nach Erfolg nicht bremsen. Nach den ersten Stationen als Nachwuchstrainer in Österreich und Deutschland war mir klar, dass ich diesen Weg bedingungslos weiterführen werde. Dafür kündigte ich auch den vermeintlichen Traumjob bei einem der größten österreichischen Industrieunternehmen und entschied mich bewusst für das Abenteuer in Afrika. In weiterer Folge wurde ich mit dem Erfolg beim FAC belohnt. Die Vergangenheit ist im Fußball jedoch nichts wert. Deshalb werde ich wieder alles dafür tun, um mich in Kiel auf ein Neues zu beweisen. Mit der UEFA-A-Lizenz erfülle ich seit wenigen Tagen nun auch alle formalen Kriterien und bin jetzt bereit für den Umzug in den Norden Deutschlands.

fanreport.com: Du warst bereits in Tansania Trainer. Wie ist es dazu gekommen?

Glawogger: Da mir soziale Projekte immer am Herzen lagen und ich auch schon während meiner Studienzeit offen für den interkulturellen Austausch war (Anm. d. Red.: Auslandssemster in Russland), entschloss ich mich Anfang 2015 dazu, gemeinsam mit sechs anderen ambitionierten Weltenbummlern das Gründerteam der „Sports Charity Mwanza“ zu bilden. Dem Leiter der Charity, Jürgen Seitz, ist es schlussendlich zu verdanken, dass er mir durch seine hervorragenden Kontakte zum lokalen Fußballclub diese Chance ermöglichte. Im Nachhinein eine spannende Zeit, in der ich eine komplett neue Kultur und viele großartige Menschen kennenlernen durfte. Eine Erfahrung, die ich jedem der nichts gegen 30-stündige Busfahrten oder brütende Hitze hat, nur empfehlen kann (schmunzelt). Mit vielen Spielern bin ich noch heute in Kontakt. Das ist ein schönes Gefühl.

fanreport.com: In Österreich hast du dir als Coach des FAC einen Namen gemacht. Als Interimscoach hast du in 6 Partien nur eine Niederlage kassiert. Wie war die Erfahrung für dich?

Glawogger: Ich war von Beginn an überzeugt, dass die Qualität der Mannschaft besser war, als es der letzte Tabellenplatz vermuten ließ. Zudem hatte auch mein Team in Tansania ein Jahr zuvor den Abstieg erfolgreich abwenden können, wodurch ich einiges an Erfahrung im Umgang mit einer solchen Ausnahmesituation sammeln konnte. Es galt, sofort die richtigen Hebel zu finden und das Selbstvertrauen zurückzubringen. Es ging um elementare Dinge wie Einsatzbereitschaft, Spaß am Gewinnen oder den Teamgedanken. Die Spieler haben das sofort verinnerlicht und sind in einen Lauf gekommen. Viele Personen haben dem Team die Kehrtwende nicht mehr zugetraut. Deshalb bin ich umso stolzer auf jeden Einzelnen im Team, dass er sich nicht vom gemeinsamen Weg abbringen hat lassen und alles dem großen Ziel, dem Klassenerhalt, untergeordnet hat.

fanreport.com: Das Ende beim FAC war unschön. Das Geld im Verein war knapp und als Christian Bubalovic geholt wurde, musstest dafür du gehen. Stimmt das? Und wie bewertest du den Abgang in der Rückschau?

Glawogger: Ich habe mich zu diesem Thema damals bewusst nicht in der Öffentlichkeit geäußert, weil es mir wichtig war, dass der Trainer und die Mannschaft in Ruhe weiterarbeiten können und den eingeschlagenen Weg erfolgreich fortsetzen können.

Ich kann nur sagen, Christian Bubalovic wurde von mir noch am letzten Tag der Transferperiode geholt. Damit waren unsere Planungen abgeschlossen.

Ich bitte um Verständnis, dass ich zu den Gründen meiner Trennung auch weiterhin in der Öffentlichkeit nichts sagen werde. Ich möchte mich aber trotzdem beim FAC für das Vertrauen und die Chance mich im österreichischen Profifußball zu beweisen, bedanken.

 
>>> JETZT WEITERLESEN: IN TEIL 2 SPRICHT GLAWOGGER ÜBER JULIAN NAGELSMANN, DIE LIGAREFORM IN ÖSTERREICH UND EINE MÖGLICHE RÜCKKEHR ZUM FAC <<<

Johannes Posani
Johannes Posani - Chefredakteur
johannes.posani@fanreport.at

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