„Spieler brauchen einen klaren Führungsstil“

27.06.2018

Dominik Glawogger Fotocredit: Foto by Hofer / Christian Hofer
Der ehemalige FAC-Coach Dominik Glawogger im zweiten Teil unseres Interviews über Julian Nagelsmann, die Ligareform in Österreich und eine mögliche Rückkehr zum FAC.
Sportkabine
fanreport.com: Wie stehst du zur Ligareform in Österreich? Stichwort 2. Liga.

Glawogger: Ich denke, dass eine Ligareform durchaus frischen Wind für den österreichischen Fußball bedeuten kann und sehe das als große Chance. Andererseits ist aber auch klar, dass die neue 2. Liga für die dortigen Vereine eine Herausforderung sein wird. Beispielsweise werden die TV-Gelder stark abgehen, die infrastrukturellen Anforderungen aber auch heruntergeschraubt. Leider wurden die Lizenzkriterien für einen Cheftrainer (noch) nicht adaptiert (schmunzelt). So könnte es in dieser zweiten Liga zu Disparitäten kommen. Ich bin gespannt auf das neue Format und werde die Entwicklung auch aus einiger Distanz interessiert beobachten.

fanreport.com: Welche Ziele verfolgst du in deiner Trainerkarriere?

Glawogger: Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich die U19 Mannschaft eines aufstrebenden deutschen Zweitligisten, der heuer beinahe in die Bundesliga aufgestiegen wäre, trainieren werde, hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt. Im Fußball kann es oft sehr schnell gehen. Positive und negative Extremsituationen sind möglich. Ich denke, es ist wichtig, demütig zu bleiben und hart an seiner persönlichen Entwicklung zu arbeiten. Das Leben ist ein ständiger Lernprozess, dem man sich stellen muss, um erfolgreich zu sein. Ich denke, man braucht eine gute Balance, also akribische Arbeit ohne dabei die Menschlichkeit zu vernachlässigen. Wohin der Weg bei mir dann führt, weiß niemand.

fanreport.com: Bist du der Österreichische Nagelsmann?

Glawogger: Julian Nagelsmann ist sicherlich ein Paradebeispiel für junge Trainer und zeigt, dass man es auch ohne große Spielerkarriere weit nach oben schaffen kann. Ich halte es aber für essenziell, dass man nicht versucht andere zu kopieren. Nur wenn man seinen eigenen Weg geht, kann man seiner Mannschaft Inhalte und Emotionen glaubhaft vermitteln.

fanreport.com: Wie kann man als 28-Jähriger von seinen Spielern, die teils älter sind, Respekt einfordern?

Glawogger: Hans Meyer (Anm. d. Red.: ehemaliger Cheftrainer in der Deutschen Bundesliga u.a. bei Borussia M'gladbach) hat zu diesem Thema einmal gesagt: „Wenn du es nicht schaffst auf natürlich Art und Weise Respekt auszustrahlen, hast du keine Chance, denn künstlich schaffst du es nicht.“ Ich bin davon überzeugt, dass man als Trainer versuchen sollte, seinen Spielern keine Angriffsfläche zu bieten - kombiniert mit einem souveränen Auftreten und guter Rhetorik. Ein gutes Beispiel hierfür war meine Beziehung zu einem Führungsspieler beim FAC. Dieser war nicht nur älter als ich, sondern wurde von vielen Trainern immer wieder als schwieriger Spieler abgestempelt. Zwischen uns funktionierte die Zusammenarbeit blendend. Er hat seine Tore und Vorlagen gemacht und war happy. Die Mannschaft hatte die Punkte eingesammelt und ich war happy. Ich denke, dass das kein Problem darstellt, wenn man die Spieler überzeugen kann, dass der gemeinsame Weg, der richtige Weg ist. Die Spieler brauchen einen klaren Führungsstil und Vertrauen. Dieses Vertrauen gewinnt man beispielsweise durch taktische Kompetenz und nicht durch das Vorweisen eines bestimmten Alters.

fanreport.com: Kannst du dir eine Rückkehr zum FAC vorstellen?

Glawogger: Ich denke, ich habe nach meinem Amtsantritt beim FAC mit dem Strategiewechsel ein Zeichen im Verein gesetzt. Ziel war es, Fachleuten, die für die Aufgabe brennen und Spielern die sich über die Plattform 2. Liga in die Auslage spielen wollen, eine Chance im Profi-Fußball zu geben. Es macht mich dann schon ein wenig stolz, wenn ich lese, dass die Menschen, um die man sich bemüht hat, jetzt beim ÖFB oder in der Bundesliga beschäftigt sind. Meine Mission ist damit beendet. Jetzt zählt nur mein neuer Verein. Darauf richtet sich der gesamte Fokus. Ich werde meine komplette Energie in die Aufgabe stecken und versuchen, mich in Deutschland zu beweisen.

fanreport.com: Vielen Dank für das Gespräch.

>>> JETZT WEITERLESEN: IN TEIL 1 SPRICHT GLAWOGGER ÜBER SEINE NEUE AUFGABE IN DEUTSCHLAND, SEINE ZEIT IN AFRIKA UND SEINEN ABGANG BEIM FAC <<<

Johannes Posani
Johannes Posani - Chefredakteur
johannes.posani@fanreport.at

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