„Man kann nicht alles haben!“

02.09.2014

koren_header Fotocredit: McDonalds LUV Graz
... sagt eine, die es genau wissen muss. Nach langer Leidenszeit, mehrere tausend Kilometer fern der Heimat, scheint das Glück endlich auch Simona Koren (21) hold zu sein. Bei fanreport.com spricht die Stürmerin über erhoffte Höhen und ungeahnte Tiefen, große Ziele, wenig Freizeit und den harten Weg zurück auf den Rasen.
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Wenn’s läuft, dann läuft’s!

Die ETSU Buccaneers halten zu Beginn der neuen College.Saison bei vier Siegen en suite, die jüngsten beiden jeweils nach zweifacher Overtime. Gleichbedeutend mit der Tabellenführung in der Southern Conference (SoCon). Mitverantwortlich dafür ist auch eine Akteurin, für die das Gefühl des Gewinnens, das des Erfolges und das restloser Zufriedenheit in weite Ferne gerückt war.

Für die Grazerin Simona Koren verliefen die ersten Jahre ihrer noch jungen Karriere wie eine Achterbahnfahrt. Aber anders als auf dem Rummelplatz schienen die Abwärtspassagen partout kein Ende nehmen zu wollen.

2012, während ihrer erfolgreichen Zeit in der Heimat, gemeinsam mit Team-Kollegin Sarah Zadrazil, gescoutet und von britischen Coaches für das renommierte Division-I-College in den USA rekrutiert, absolvierte die 21-Jährige ihr erstes Pflichtspiel für die "Bucs" erst kürzlich, im August 2014. Prompt zierte sie die Torschützenlisten ihres Teams und wurde zum "SoCon Player of the Week" ernannt.

Davor war aber Leiden angesagt...und langes Warten.

Gefangen in der Abwärtsspirale

"Es gab Probleme mit meinem SAT (vgl. Aufnahmetest, Anm. d. Red.), so verlor ich gleich zu Beginn meiner College-Zeit ein Semester", blickt Koren bei fanreport.com auf den verkorksten Startschuss zurück, der eigentlich im Sommer 2012 hätte erfolgen sollen. Der verspätete Schuleinstieg (im Jänner des Folgejahres, Anm. d. Red.) wog dabei aber noch nicht einmal am schlimmsten.

Weil die Soccer-Saison an den US-Universitäten ausschließlich im (Spät-)Sommer und Herbst über die Bühne geht, verpasste die Stürmerin mit kroatischen Wurzeln diese komplett. "Ich habe von Jänner an nur trainiert", berichtet Koren.

Eine dieser Übungseinheiten – "eine lockere, unwichtige" - war folgenschwer. Meniskus-, Innenband- und Knorpel-Verletzung im linken Knie. Der nächste Rückschlag, weitaus schlimmer als zunächst angenommen. "Die Ärzte dachten es ginge ohne Operation", so die mehrmalige U-Nationalspielerin.

Korens härteste Zeit
Das Zuschauen hat mich fertiggemacht!

Doch es kam anders und die Stürmerin musste doch unters Messer. Es war dies ihr erster operativer Eingriff. "Für mich eine große Sache", macht Koren keinen Hehl aus dem unguten, weil unsicheren, Gefühl, das sie im August 2013 durchdrang.

"Voll fertig" war sie aber aus einem ganz anderen Grund, denn die Achterbahn hatte den tiefesten Punkte noch immer nicht passiert. "Ich wurde zwei Tage vor Saisonstart operiert und habe erneut die ganze Meisterschaft verloren, konnte wieder nicht zeigen, was ich kann." Nachsatz: "Das Zuschauen hat mich fertiggemacht!"

Anstatt Trübsal zu blasen und ausschließlich Schulbänke zu drücken – Koren absolviert ihren Major in "Exercise Sience" und ihren Minor in Spanisch – drückte sie auch jene im campuseigenen Kraft-Raum. "Ich war viel, viel, viel, viel im Fitness-Center", erzählt die Stürmerin.

Zeit zum Nachdenken

Die zahlreichen Stunden zwischen Medizinbällen, Hanteln und Laufbändern boten der 21-Jährigen in der Folge die Möglichkeit nachzudenken und zu hinterfragen. Plötzlich wogen die Nachteile des Auslandsstudiums noch stärker, schienen die persönlichen Abstriche noch wertloser.

Abends mal ausgehen, mit Freunden einen Drink nehmen, sieht der Tagesablauf an der East Tennessee State nicht vor. "Bei uns in Österreich ist das normal, hier fehlt es mir", gibt die Steirerin gerne zu. "Aber man kann nicht alles haben!" Koren kennt die Vorzüge, Sport und Ausbildung zu kombinieren. "Das gibt es eben nur in Amerika und man weiß, wofür man es macht."

So war es für Koren auch im Grunde nie eine Option, den Schlussstrich zu ziehen und die verkorkste Zeit in den Vereinigten Staaten hinter sich zu lassen. Nur kurz, als sie befürchtete, das Knie würde nicht mehr mitmachen, weil die Organisation zu hohe Anforderungen an die Rehabilitation stellte, dachte sie ans Aufgeben.
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Von LUV Graz ging es für Koren (Mi.) im Jänner 2013 nach Johnson City, Tennessee

Steil bergauf

Doch das hätte Korens Naturell mitnichten entsprochen. "Ich denke oft über die harte Zeit nach, aber jeder ist hinter mir gestanden. Meine Eltern, meine Trainer, sie wussten was ich kann, aber alle anderen wussten es noch nicht, keiner hatte mich je spielen sehen. Ich wollt es mir und den Fans beweisen!"

So wie sie es zu ihrer besten Zeit in den höchsten österreichischen Spielklassen bewies, als sie 2011/2012 für den LUV 14 und ein Jahr zuvor für Stattegg 15 Tore erzielte – und das in der Abstiegs-Saison!

Koren kann der harten Zeit im Fitness-Center heute ausschließlich Gutes abgewinnen. "Es ist jetzt alles anders", so die Stürmerin, "durch die Verletzung habe ich mehr über meinen Körper gelernt."

Und sie legte zu – an Athletik, was ihrem Typus als Spielerin – sie agiert gerne außerhalb des Strafraums, nimmt am Spiel teil, weicht auf die Flügel aus – mehr als engegen kam.

Ohne jemals ein Spiel für die Bucs absolviert zu haben, stellte sie sich so auf das physischere College-Spiel ein. "Ich habe ab Jänner dann endlich Fortschritte gesehen. Von da an ging es nur noch bergauf!"
Sie ist der Katalysator für ein Team.
Ex-LUV-Manager Andreas Neubauer

Der personifizierte Klebstoff

In den Sommerferien 2014 ging es dann in körperlicher Top-Verfassung ("Ich hatte keine Folgeerscheinungen mehr") zurück zum LUV Graz, der sich damals, Mitte Mai, mitten im Abstiegskampf befand. Beim Kurzbesuch konnte die "Heimkehrerin" somit nur verlieren.

Seit mehrern Monaten kein Pflichtspiel in den Beinen, die Mannschafts-Kolleginnen teils unbekannt, keine Eingewöhnungszeit, der Verein auf dem Scheideweg. Das alles scheute die Stürmerin nicht, im Gegenteil. Koren versuchte vom ersten Tag an, der Mannschaft ihre positive Einstellung einzuhauchen.

Trotz aller Negativ-Vorzeichen nahm Koren die Herausforderung Abstiegskampf beim LUV gerne an. "Mir sind die Mädels wichtig, es ist immer gut, diese Erfahrungen zu machen", sagt die selbst auch noch wenig erfahrene Stürmerin.

Der ehemalige LUV-Manager Andreas Neubauer bestätigt gegenüber fanreport.com Korens Einstellung. "Sie ist eine, die eine Mannschaft mitreißen kann. Ein Katalysator für ein Team", erklärt Neubauer. Der Amerikaner kennt dafür den Ausdruck des "Glue Guy", des Klebstoffes, der eine Mannschaft zusammenhält.

Klassenerhalt als erster Erfolg

Ihrem ehemaligen Manager will sie, was ihre Rolle betrifft, nicht widersprechen. "Als ich im Mai zu LUV zurückkam, war die Situation äußerst prekär. Sarah (Grossmann, Anm. d. Red.) und ich haben immer versucht, die Mannschaft aufzupeppen, auch außerhalb des Feldes. Dadurch sind wir meines Erachtens besser geworden", erzählt die Murstädterin.

Schlussendlich schaffte der LUV den Klassenerhalt, dank eines Derby-Sieges gegen Sturm am letzten Spieltag.
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Im August lief Koren erstmals in einem Liga-Spiel für die Bucs auf.
Fotocredit: ETSU

Qualität kommt von quälen

Keine drei Monate nach dem ersten Erfolgserlebnis seit einer gefühlten Ewigkeit – mit der Gewissheit, dass es bei der Achterbahnfahrt endlich auch mal nach oben ging – weilte Koren schon wieder in Johnson City, an der East Tennessee State University.

Diesmal stand der Saison-Vorbereitung nichts mehr im Weg. Die 21-Jährige freute sich auf das Athletic-Training ("das taugt mir") und durfte sich erstmals durch die Pre-Season quälen.

"Zwischen 6:30 und 7:30 aufstehen, bis kurz nach Mittag Uni, dann noch bis zu dreimal täglich Training, im Schnitt 13 Stunden am Tag für die Organisation verfügbar sein, Meeting hier, Meeting da – das war arg!", so Koren.

Initialzündung

Doch die Vorfreude über die bevorstehende „erste richtige Saison“ überwog. Spätestens als sie das ihr zugedachte Bucs-Trikot mit der Nummer acht erstmals 2014 überzog, allerspätestens als sie beim 3:1-Testspielsieg über Eastern Kentucky die ersten beiden Tore für die Universität erzielte.

"Ich war sehr glücklich. Endlich konnte ich sehen, dass etwas weitergegangen war", schildert Koren die späte "Initialzündung" ihrer ETSU-Karriere. Auch ein gewisser Druck viel ab. Die technisch versierte Stürmerin hatte zwar grundsätzlich keine Bedenken, sich in der sehr unamerikanischen, mit Europäerinnen gespickten Mannschaft etablieren zu können, die Bestätigung dafür sah sie aber erst jetzt.

In den ersten beiden Regular-Season-Spielen legte Koren sogar noch einmal zu.

Mehrere Premieren

Dem Premieren-Tor im Bucs-Trikot ließ die ÖFB-Legionärin am ersten Spieltag der Southern Conference gegen Radford (3:2) das Saison-Premieren-Tor der Buccaneers folgen. Die Stürmerin netzte in der 25. Minute zum 1:0 ein.

Zwei Tage später traf sie beim 5:1-Auswärtssieg über Tennessee Tech. gleich doppelt. Ein Assist erhielt sie dabei von ÖFB-Kollegin Zadrazil ("Wir helfen uns in jeder Situation, mit ihr geht alles leichter").

Erstmals in der ETSU-Geschichte traf eine Spielerin in den ersten beiden Regular-Season-Spielen dreimal. Erstmals wurde Koren daraufhin zum "SoCon Player of the Week" ernannt.

Das war vor einer Woche. Mittlerweile, nach dem letzten August-Wochenende, halten die Bucs bei vier Siegen und keiner Niederlage.
Nach allem was passiert ist, kann ich sagen, dass die Einberufung für mich das Größte ist

Sahnehäubchen

Mit ihren Leistungen erregte sie nicht nur die Aufmerksamkeit der SoCon-Verantwortlichen, sondern auch von den Granden ihrer Organisation.

"Ich habe von einem Präsidenten meiner Uni einen handgeschrieben Brief erhalten", betont Koren, dass die Wertschätzung für Fußballerinnen in Amerika gegenüber jener in Österreich um Welten auseinanderliegt.

Aber auch in Österreich wusste man die Leistungen der Legionärin zu quittieren. ÖFB-Teamchef Dominik Thalhammer berief die Goalgetterin für den kommenden Lehrgang (Ungarn, Kasachstan; 13. Bzw. 17. September, Anm. d. Red.) erstmals in den A-Team-Kader. "Nach allem was passiert ist, kann ich sagen, dass das für mich das Größte ist", bezeichnet die Berufene ihre Nominierung als "das Sahnehäubchen."

Weiter, immer weiter

Noch einmal lässt sie ihre Seuchen-Monate Revue passieren. "Ich verlor wegen dem SAT ein Jahr, kam dann erst im Jänner in die USA, da war die Saison vorbei. Ich verletzte mich im Training und wurde zwei Tage vor der neuen Saison operiert und verpasste erneut alle Spiele. Man kann sagen ich war vom Pech verfolgt."

Koren könnte es sich also nach den jüngsten Erfolgen im Hier-und-Jetzt gemütlich machen, aber auch das würde ihrem Naturell mitnichten entsprechen. Wie bisher schaut der Youngster nur nach vorne und setzt sich hohe Ziele.

"Ich will 20 Saison-Tore erzielen und mit dem Team endlich auch im Tournament (den Playoffs, Anm. d. Red.) weit kommen", erklärt Koren und wagt auch einen Blick in die Kristallkugel. "Mein Ziel ist es, in einer europäischen Topliga zu spielen, am besten in Frankreich, Spanien oder Deutschland."

Dass es dafür auch Glück braucht, davon weiß die Grazerin ein Lied zu singen. Und das ist bekanntlich ein Vogerl. Dieses wiederum scheint, spät aber doch und nur dank harter Arbeit, gerade erst bei Simona Koren gelandet zu sein.

Kevin Bell
Kevin Bell - Redakteur
kevin.bell@fanreport.at

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