Purgstall: "Keine faire Lösung im Sinne des Sports"

23.04.2020

SVgP 10
Einsicht bezüglich der Gesundheitsfrage, Unverständnis gegenüber der Art und Weise des Abbruchs: Purgstalls Führungsriege im Talk.
11teamsports DiversesMit der Tabellenführung im Gepäck und nur einer Niederlage aus 13 Spielen, konnte Aufsteiger Purgstall in den letzten Wochen und Monaten nur einer bremsen: Das Corona-Virus. Vier Zähler betrug der Vorsprung auf Seitenstetten - in einer Tabelle, die nun wertlos ist. Denn mit dem Beschluss der Regierung und der Entscheidung der Verbände, die Saison abzubrechen, geht es wieder von null los. Wann, ist noch unklar. Trainer Hans-Jürgen Moser, sportlicher Leiter Gerhard Pitzl und Obmann Gerhard Plank über den Corona-Abbruch:

fanreport.com: Wie hat man den Beschluss der Bundesregierung im Verein aufgenommen? 

Hans-Jürgen Moser (Cheftrainer): Den Beschluss der Bundesregierung, dass der Amateurfußball bis auf weiteres nicht spielen kann, ist für mich absolut nachvollziehbar. Im Vordergrund steht jetzt die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung und da gehören natürlich sämtliche Sportler, Funktionäre, Fans etc. dazu. Da ist es selbstverständlich, dass wir uns mit dem „Kicken“ jetzt hinten Anstellen und somit unseren Beitrag dazu leisten. Man kann in dieser außergewöhnlichen Situation nur versuchen, optimistisch und positiv die Herausforderung anzugehen. Die momentanen Aufgaben im familiären, beruflichen und persönlichen (somit auch fußballerischen) Leben zu meistern sind neu, aber sicher lösbar.

Gerhard Pitzl (sportlicher Leiter): Die Bundesregierung hat richtig entschieden, die Gesundheit geht vor, damit war klar, dass es keinen Fußball geben wird.

Gerhard Plank (Obmann): Die Gesundheit unserer Gesellschaft ist höchstes Gut – damit war es absolut klar, die Vorgaben der Regierung umzusetzen und einzuhalten.

fanreport.com: Hat man mit diesem Beschluss gerechnet oder ist man der Meinung, dass es sich der ÖFB mit dieser Entscheidung am leichtesten gemacht hat?

Hans-Jürgen Moser: Ich finde es hat der Diskussionsprozess gefehlt. So eine Situation hat es im Profi- und Amateursport bis dato noch nicht gegeben. Spezielle Situationen sollten auch speziell diskutiert und gelöst werden. Wenn ich höre, dass die ÖFB Videokonferenz zwei Stunden gedauert hat, finde ich das sehr informativ. Ich frage mich nur was kann man in zwei Stunden an anderen möglichen Lösungswegen diskutieren? Es hat wohl ein Gutachten gegeben, nachdem sehr emotionslos und sachlich entschieden worden ist. Der Fußball lebt doch von allen negativen (Niederlage) und positiven Emotionen (Siege) während einer Meisterschaft. Eine halbe Saison einfach auf „Null“ zu stellen, finde ich entspricht einfach nicht dem Grundgedanken des Sports. Es gibt wohl keine „neutralen“ sportinteressierten Menschen die diese Entscheidung als richtig empfinden. Natürlich werden wir uns an die sensationellen Momente und Erlebnisse (Derby gegen Ybbs, Wieselburg, Melk, 28 Punkte mit nur einer Niederlage, etc.) dieser Halbsaison auch ohne „sportliche Wertung“ immer zurückerinnern, aber eine faire Lösung im Sinne des Sports ist es definitiv nicht.

Gerhard Pitzl: Die Entscheidung abzubrechen war zu früh, man hätte die Entscheidungsfindung in den Landesverband delegieren müssen. Wir wissen bis heute nicht wann wir den Betrieb wiederaufnehmen können. Aktuell gibt es bis Ende August keine Veranstaltungen!

Gerhard Plank: Aus meiner Sicht war der Abbruch ein absolutes Nichtziel. So lange niemand weiß, wann wieder Trainings- und Spielbetrieb möglich sein wird, hätte eine Unterbrechung der Bewerbe ausgereicht. Meines Erachtens hat man hier voreilig reagiert. Das ÖFB-Präsidium hat den leichtesten Weg gewählt. Eine Task Force „Regierung (Sportminister, Gesundheitsminister) – ÖFB – Bundesliga – Landesverbände“ hätte den Stellenwert des Fußballs in Österreich zusätzlich unterstrichen.

fanreport.com: Was wäre ihr Lösungsvorschlag für die Fortsetzung der Meisterschaft gewesen?

Hans-Jürgen Moser: Unter Anbetracht der Situation, dass keiner genau weiß wann im Amateurbereich eigentlich wieder gespielt werden kann, hätte man die Punkte auf jeden Fall „einfrieren“ müssen und dann entweder drei Halbsaisonen (mit Neustart Herbst 2020) oder zwei Halbsaisonen (mit Neustart Frühjahr 2021) umsetzen können. Alle Mannschaften, die hinten drin stehen, hätten die Chance gehabt die Punkte aufzuholen. Mannschaften, die im Mittelfeld platziert sind, haben sich den erspielten, Polster „nach hinten“ auch verdient und bei einem „sportlichen Lauf“ vielleicht noch die Chance gehabt, vorne mitzuspielen. Und letztlich hätten die vorne platzierten Teams den Meistertitel in mehr als genug Spielen sportlich ausspielen können. Unabhängig davon hätte man in dieser sehr speziellen Situation Möglichkeiten gehabt etwas Neues auszuprobieren. Zum Beispiel „Play Off“ Systeme im Frühjahr 2021.

Gerhard Pitzl: Heuer wird es voraussichtlich keinen Spielbetrieb mehr geben. Es war eine beinharte Entscheidung. Die Fleißigen wurden bestraft und die weniger Fleißigen belohnt – Minimum wäre die Mitnahme des Herbstes in die neue Meisterschaft gewesen.
 
Gerhard Plank: Vorerst eine Unterbrechung der Meisterschaft und sobald der Neustart möglich wird – je nach Terminsituation – eine Variante, die eine sportliche und faire Wertung zulässt, die Meisterschaft und den NÖ Admiral Meistercup zu Ende spielen – wo ein Wille, da ein Weg!

fanreport.com: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pause und der Abbruch der Saison auf eure Kaderplanung bzw. finanzielle Lage?

Hans-Jürgen Moser: Zunächst mal freuen wir uns, wenn wir endlich wieder als „SVg‘ler“ gemeinsam mit viel Spaß und Freude trainieren bzw. spielen dürfen. Die SVg hat in den letzten Jahren zwei Ziele konsequent verfolgt. Das sportliche Ziel mit dem Aufstieg letztes Jahr in die 2. Landesliga war eines davon. Das zweite, wahrscheinlich viel wichtiger Ziel diese Erfolge mit „SVg-Eigengewächsen“ und Spielern aus der Umgebung die in die Vereinsphilosophie passen, zu erreichen ist umso schöner. Ich glaube jeder Einzelne der momentan bei uns ist, weiß was der Verein für Werte vertritt und welche Ziele der Verein verfolgt. Somit blicken wir der Kaderzusammenstellung optimistisch entgegen.

Gerhard Pitzl: Mit dem Abbruch ist vorerst die Motivation weg. Wir hoffen mit den vielen Spielern aus den eigenen Reihen rasch wieder in die Spur zu kommen, sobald wieder Spielbetrieb möglich ist und habe das Vertrauen in unsere Spieler, dass sie mit doppelter Motivation den Neustart in Angriff nehmen. Für mich ist klar: Keine Meisterschaft – keine Aufwandentschädigungen.

Gerhard Plank: Wir sind in der Warteposition und hoffen, dass die Regierung den Mannschaftssport im Amateurbereich für Training- und Spielbetrieb mit praktikablen Einschränkungen so bald als möglich freigibt. Neben unseren sportlichen Zielen – sei es im Nachwuchs oder bei den Erwachsenen - haben wir aktuell auch in Zusammenarbeit mit unserem Hauptsponsor ATP Metallbau und der Marktgemeinde Purgstall das Infrastruktur-Projekt „Tribüne – Sanitäranlagen – Vereinshaus“ im Fliederstadion in Arbeit. Die Fixkosten haben wir bis dato aus einer überschaubaren Rücklage abdecken können, vertrauen natürlich, dass uns unsere Sponsoren, Gönner und Unterstützer auch in dieser schwierigen Zeit zur Seite stehen – ganz im Sinne unseres Leitbildes „zum Wohle der Jugend und im Dienste des Fußballsportes“. Unser sportlicher Leiter Gerhard Pitzl gemeinsam mit Trainer Hans-Jürgen Moser, unseren Fans und mir haben großes Vertrauen in unsere Spieler und sind überzeugt, dass egal wann es losgeht, sie wieder für die SVg Gas geben werden.    

 
Lukas Mitmasser
Lukas Mitmasser - Administrator
lukas.mitmasser@gmx.at

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