„Hätten den Ligabetrieb früher einstellen müssen“

14.12.2020

SAK 1 Fotocredit: Fussball-Impressionen vom Salzburger Unterhaus
Fabian Groiss vom SAK 1914 erzählt im fanreport.com-Interview von seiner Corona-Erkrankung, nennt die Vorteile der unterbrochenen Meisterschaft und spricht über seine Wechsel-Ambitionen.
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fanreport.com: Wie hast du den Meisterschaftsherbst unter den Corona-Auflagen erlebt? Hat die Organisation reibungslos geklappt, habt ihr als Mannschaft damit gut umgehen können und inwiefern war es heuer im Herbst doch anders zu spielen?

Groiss: Grundsätzlich war ich sehr froh, dass die Liga gestartet ist und speziell die Anfangsrunden gab es auch keine Einschränkungen im Ligabetrieb. Als dann jedoch die ersten Runden abgesagt werden mussten, und auch uns dann das Red-Bull-Cluster getroffen hat, merkte man, dass das Konstrukt "Ligabetrieb" auf sehr wackeligen Beinen gestanden ist. Wenn man das erste Mal dem Arbeitgeber erklären muss, dass man zehn Tage nicht kommen kann, wird das alles sehr real. Bei mir persönlich hat das im Kopf schon etwas verändert. Hier nochmals ein großes Lob und Dank an Andi Fötschl, der uns in dieser schwierigen Zeit super betreut hat.

Die Phase danach war sehr komisch, da man immer damit rechnen musste, dass weitere Spiele abgesagt werden. Drei Wochen später war ich dann selber positiv, dann wurde die Liga abgebrochen. Auch wenn ich mich nicht auf dem Fußballplatz infiziert habe, so denke ich, dass hier zu lange gewartet wurde und man den Ligabetrieb früher einstellen hätte müssen. Im Nachwuchs sehe ich es etwas anders: Kinder brauchen Bewegung und müssen sich auspowern können - hier hätte zumindest der Trainingsbetrieb – mit Auflagen – weitergehen können bzw. müssen.

fanreport.com: Wie hältst du dich aktuell fit, wie ist der Kontakt mit der Mannschaft?

Groiss: Der Kontakt zur Mannschaft ist sehr eingeschränkt, natürlich hört man bestimmte Spieler - diese würde ich aber primär als Freunde sehen - aber mit einigen hatte ich seit Abbruch der Meisterschaft keinen Kontakt. Ich persönlich muss gestehen, dass ich die Zeit seit dem Abbruch ohne Sport verbracht habe. Nachdem noch immer nicht klar ist, ob das Virus Spätfolgen hat bzw. wie sich Sport darauf auswirkt, habe ich auf sportliche Aktivitäten verzichtet. Ich hab die Zeit genutzt, um bewusster und gesünder zu kochen und zu essen. Ich fange mit ganz leichtem Lauftraining an und werde das dann steigern, damit ich im März wieder halbwegs im Saft stehe.

fanreport.com: Zum Sportlichen: Wie zufrieden warst du mit den bisherigen Spielen, wo ist noch Luft nach oben, was war gut?

Groiss: Mit meiner persönlichen sportlichen Situation war ich im Herbst natürlich nicht zufrieden. Es ist davon auszugehen, dass ich mich verändern werde und mich einem Verein der Salzburger Liga anschließen werde. Ich merke einfach, dass Regionalliga Salzburg und ein Vollzeitberuf schwer bzw. für mich nicht unter einen Hut passen. Ich möchte aber in der Salzburger Liga jetzt nochmals Vollgas geben, da ich mit 28 Jahren noch nicht reif für die Fußball-Pension bin und sicherlich – wenn ich körperlich fit bin – einer Mannschaft noch sehr helfen kann und dies auch unbedingt will!

fanreport.com: Rechnest du damit, dass die Meisterschaft heuer im Frühjahr fortgesetzt werden kann oder würdest du unter Umständen auch einen Abbruch verstehen?

Groiss: Ich denke und hoffe, dass die Meisterschaft weitergeführt wird. Natürlich hängt das von den Infektionszahlen usw. ab, aber um zu wissen, wann es dann tatsächlich soweit ist, muss man Hellseher sein. Ich befürchte nur, dass Vereine mit kleineren Kadern unter der Mehrfachbelastung der vielen englischen Runden leiden werde: Wir sind alles Amateure und es wird leider sicherlich genügend Verletzungen geben.

fanreport.com:  2020 war definitiv kein Jahr wie jedes andere: Wie fällt dein Rückblick auf diese außergewöhnliche Zeit aus?

Groiss: Natürlich war 2020 kein leichtes bzw. normales Jahr. Dennoch ist mein Fazit durchaus positiv bzw. hab ich viele schöne Sachen erlebt. Im Februar habe ich in New York um die Hand meiner Freundin angehalten. Wir heiraten im Sommer 2021 – hoffentlich. Beruflich bin ich als Lehrer vollends glücklich, ich bin heuer Klassenvorstand und genieße die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern.

Sportlich hab ich gemerkt, wie schön es auch einmal ist, abends nach der Arbeit heimzukommen und nicht direkt ins Training zu hetzen. Natürlich muss das nicht jeden Abend sein, aber in Ruhe kochen oder eine Runde Playstation zu spielen kann auch sehr entspannend sein. Aber ich brenne schon auch wieder auf anstrengende Trainings. Die meisten Unterhaus-Kicker spielen seit Kindesbeinen Fußball und das Virus hat uns diesen einfach genommen. Ich denke also, dass nicht unbedingt jeder Spieler das Training und den Zeitaufwand der dahinter steckt vermisst, aber sehr wohl das einfache "Kicken".

fanreport.com: Was wünscht du dir für das Frühjahr? Sowohl sportlich wie auch abseits des Rasens, Stichwort Corona?

Groiss: Ich wünsche uns als Gesellschaft, dass möglichst wenig Personen und Betriebe ihre Existenz verlieren. Dass die Menschen im Gesundheitswesen auf "Normalbetrieb" umstellen können und deren Leistung im vergangenen Jahr gewürdigt wird und dass wir unsere "Alltag" wieder zurückbekommen: ins Stadion gehen, reisen, fortgehen, ins Kino oder essen gehen. Sportlich möchte ich einfach wieder "kicken" und dies so erfolgreich wie möglich - und dafür bin bzw. werde ich bereit sein!

fanreport.com: Vielen Dank für das Gespräch.

Johannes Posani
Johannes Posani - Administrator
johannes.posani@fanreport.at

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